Eigenverbrauch realistisch steigern: Von 25 auf 70 Prozent
Eine Standard-PV-Anlage kommt selten über 30 Prozent Eigenverbrauch. Mit den richtigen Massnahmen sind 60 bis 70 Prozent möglich – wenn man weiss, wo man ansetzt.
Der Eigenverbrauchsanteil ist die Kennzahl, die über die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage entscheidet. Einspeisetarife sind in der Schweiz niedrig, Strompreise hoch. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde rechnet sich um ein Vielfaches besser als jede eingespeiste. Trotzdem liegen viele Anlagen bei 25 bis 30 Prozent Eigenverbrauch. Das Potenzial bleibt liegen.
Warum der Wert so niedrig ausfällt
Wer tagsüber arbeitet und abends nach Hause kommt, produziert Strom, wenn niemand ihn braucht, und braucht Strom, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Eine PV-Anlage auf einem klassischen Einfamilienhaus läuft deshalb oft ins Netz, nicht in den eigenen Zähler. Ohne weitere Massnahmen ist das der Normalfall.
Dazu kommen Verbraucher, die nach starren Zeitplänen laufen: Warmwasserspeicher, die nachts laden, Waschmaschinen, die morgens starten, Elektroautos, die über Nacht an der Wallbox hängen. Jeder dieser Verbraucher ist ein potenzieller Eigenverbrauchsträger – wenn man ihn in die richtige Tageszeit verschiebt.
Die drei grössten Hebel
Der erste und oft unterschätzte Hebel ist das Warmwasser. Ein Wärmepumpenboiler oder eine Warmwasser-Wärmepumpe, die über die PV gesteuert wird, verschiebt den Ladezyklus in die Mittagsstunden. Das ist ein fast kostenloser Gewinn an Eigenverbrauch, vorausgesetzt die Steuerung ist vernünftig umgesetzt.
Der zweite Hebel ist die Wärmepumpe im Heizbetrieb. Sie kann bei PV-Überschuss gezielt mehr Energie in den Pufferspeicher schieben – eine Art thermische Batterie, die abends zurückgegeben wird. Voraussetzung: Die Regelung muss das dynamisch und nicht über einen starren Schaltkontakt machen können.
Der dritte Hebel ist die Elektromobilität. Ein Elektroauto, das fünfmal pro Woche an der Wallbox hängt, ist ein riesiger Speicher, den man praktisch geschenkt bekommt. Dynamisches PV-Überschussladen holt den Grossteil der Fahrenergie aus der eigenen Anlage.
Wo der Batteriespeicher hineinpasst
Ein Batteriespeicher ist der letzte Schritt, nicht der erste. Wer Warmwasser, Heizbetrieb und E-Mobilität bereits sinnvoll gesteuert hat, kommt schon auf 50 bis 60 Prozent Eigenverbrauch. Der Batteriespeicher schiebt das Ganze auf 65 bis 75 Prozent. Er ist die teuerste, aber auch flexibelste Ergänzung.
Falsch herum ergibt das wenig Sinn: Ein Batteriespeicher, der auf einer unabgestimmten Anlage sitzt, hebt den Eigenverbrauch weniger effizient und kostet dafür am meisten pro gewonnenem Prozentpunkt.
Was realistisch ist
Ohne Massnahmen: 25 bis 30 Prozent Eigenverbrauch. Mit abgestimmter Steuerung von Warmwasser und Wärmepumpe: 45 bis 55 Prozent. Zusätzlich mit E-Mobilität am Tag: 55 bis 65 Prozent. Mit Batteriespeicher obendrauf: 65 bis 75 Prozent. Die Sprünge zeigen: Der grösste Zuwachs kommt nicht vom teuersten Baustein, sondern von der klugen Kombination.
Toni Maibach
Unabhängiger Energieberater im Raum Bern. Über 16 Jahre Systemberatung bei CTA AG, zertifizierter Solarteur.
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