Warum Photovoltaik und Wärmepumpe oft aneinander vorbeilaufen
Die Anlage auf dem Dach produziert Strom, die Wärmepumpe braucht Strom – und trotzdem läuft beides oft nicht zusammen. Warum das passiert und was sich ändern lässt.
Ein Haus hat eine 12-kWp-Anlage auf dem Dach. Im Keller steht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Beim ersten Blick klingt das nach einem runden System: Die Sonne liefert den Strom, die Wärmepumpe deckt den Wärmebedarf. In der Realität laufen beide Anlagen aber oft getrennt voneinander. Die PV speist ein, die Wärmepumpe bezieht aus dem Netz. Zwei Systeme im selben Haus, die sich nicht kennen.
Der technische Kern
Wärmepumpen haben eine eigene Logik. Sie folgen einer Heizkurve, die auf die Aussentemperatur abgestimmt ist, und laden den Warmwasserspeicher nach einem festen Zeitplan. Ob in diesem Moment Solarstrom verfügbar ist, interessiert die Standardregelung nicht. Umgekehrt weiss die PV-Anlage nicht, wann die Wärmepumpe Strom abruft – sie schiebt ihren Ertrag schlicht ins Haus und, wenn er nicht gebraucht wird, ins Netz.
Das Resultat: Die Wärmepumpe läuft nachts, wenn der Tarif günstig ist, und lädt Warmwasser um drei Uhr morgens aus Netzstrom. Die PV-Anlage speist tagsüber ein, wenn niemand zuhause ist. Auf dem Zähler sieht alles nach hohem Stromverbrauch und hoher Einspeisung aus. Wirtschaftlich ist das eine Rechnung, die niemand gern bezahlt.
Was sich ändern lässt
Der Hebel liegt in der Steuerung. Moderne Wärmepumpen können über Schnittstellen wie SG-Ready oder direkte Modbus-Verbindungen auf externe Signale reagieren. Ein Energiemanagement erkennt, wann die PV-Anlage Überschuss liefert, und verschiebt den Warmwasserzyklus der Wärmepumpe in genau dieses Fenster. Gleichzeitig wird die Heizkurve so angepasst, dass der Pufferspeicher tagsüber etwas wärmer läuft, um die Abendstunden zu überbrücken.
Das ist kein Kunststück, sondern Handwerk. Wichtig ist, dass jemand das Zusammenspiel verantwortet. Wenn der Solateur nur die PV installiert und der Heizungsbauer nur die Wärmepumpe, bleibt die Lücke genau dort, wo die beiden Systeme aufeinandertreffen.
Was das in Zahlen bedeutet
In typischen Einfamilienhäusern lässt sich der Eigenverbrauchsanteil durch ein abgestimmtes Lastmanagement von 25 auf 60 Prozent steigern. Das heisst: Aus jedem zweiten selbst produzierten Kilowattstündchen wird Warmwasser, das vorher aus dem Netz gekommen wäre. Die Amortisation der PV-Anlage verkürzt sich je nach Nutzungsprofil um mehrere Jahre.
Wer plant, beide Komponenten nacheinander einzubauen, sollte die Steuerung von Anfang an mitdenken. Wer sie bereits hat, kann mit einem Nachrüstkit und einer sauberen Konfiguration oft mehr herausholen, als er erwartet.
Toni Maibach
Unabhängiger Energieberater im Raum Bern. Über 16 Jahre Systemberatung bei CTA AG, zertifizierter Solarteur.
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