Drei typische Fehler bei der Auslegung einer Wärmepumpe
Überdimensioniert, falsch angeschlossen, ohne Reserve für Spitzenlasten – die häufigsten Stolpersteine bei der Planung einer Wärmepumpe und wie Sie ihnen ausweichen.
Wärmepumpen sind technisch robust und laufen meist zuverlässig. Wenn sie Probleme machen, liegt das selten am Gerät selbst, sondern an der Auslegung. Drei Fehler begegnen mir in der Praxis besonders oft.
Fehler eins: Überdimensionierung
Die Versuchung, beim Heizungsersatz etwas grösser zu wählen, ist gross. “Lieber Reserve als Mangel” klingt vernünftig und wird von vielen Fachleuten mitgetragen. Bei Wärmepumpen ist das Denken aus der Öl- und Gaszeit aber falsch. Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet häufig, läuft jedes Mal nur kurz und verschleisst schneller. Der Wirkungsgrad sinkt, die Laufzeiten werden ungünstig, der Stromverbrauch steigt.
Die Lösung ist eine ehrliche Heizlastberechnung nach SIA 384/2, nicht eine Schätzung aus dem Bauchgefühl. Wenn die berechnete Heizlast 8 kW beträgt, gehört eine Wärmepumpe mit 8 kW hinein, nicht mit 12. Für Spitzenlasten an wenigen extrem kalten Tagen im Jahr genügt ein elektrischer Heizstab oder ein kleiner Pufferspeicher.
Fehler zwei: Falsche Heizkurve
Die Heizkurve bestimmt, bei welcher Aussentemperatur wie viel Vorlauftemperatur produziert wird. Wird sie zu steil eingestellt, arbeitet die Wärmepumpe unnötig bei hohen Temperaturen und verbraucht mehr Strom als nötig. Wird sie zu flach eingestellt, reicht die Wärme an kalten Tagen nicht. Beide Fehler treten auf und beide werden selten nachjustiert.
Die Lösung ist unspektakulär: die Heizkurve nach der Inbetriebnahme einmal sauber einfahren, einmal im ersten Winter kontrollieren, und dann jedes Jahr kurz prüfen. Der Unterschied zwischen einer gut und einer schlecht eingestellten Heizkurve kann zehn bis zwanzig Prozent des Jahresstromverbrauchs ausmachen.
Fehler drei: Warmwasser als Nachgedanke
Wärmepumpen produzieren Warmwasser mit deutlich weniger Effizienz als Raumwärme, weil die notwendige Vorlauftemperatur höher liegt. Wenn der Warmwasserspeicher klein ist und mehrmals täglich nachgeladen werden muss, belastet das die Jahresarbeitszahl der gesamten Anlage spürbar.
Die Lösung beginnt bei der Planung: Ein ausreichend grosser Speicher, eine klare Ladestrategie, und wenn möglich eine Kopplung an PV-Überschuss. Wer das Warmwasser nebenbei plant, verschenkt einen der grössten Effizienzhebel der gesamten Anlage.
Was diese drei Punkte gemeinsam haben
Alle drei Fehler sind vermeidbar und keine technische Herausforderung. Sie entstehen, wenn niemand das Gesamtsystem verantwortet und die Planung aus einzelnen Angeboten zusammengesetzt wird. Deshalb ist die richtige Frage beim Heizungsersatz nicht nur “Welche Wärmepumpe?”, sondern “Wer denkt das Zusammenspiel mit?”.
Toni Maibach
Unabhängiger Energieberater im Raum Bern. Über 16 Jahre Systemberatung bei CTA AG, zertifizierter Solarteur.
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